Der Spiegel Article
Alana was interviewed for Der Spiegel on the #UK Riots. Text in German below. For the record, she was misquoted as saying that ‘EDL members rather take the broom hitting someone’s head than to use it for cleaning up’. Clearly that doesn’t make any sense. Rather she argued that with the EDL’s background in football hooliganism the organisation’s claim that they are helping in the post-riot clean-up operation is to be taken with a pinch of salt.
Sie spielen sich als Hüter von Recht und Ordnung auf, als Bollwerk gegen die Randalierer: Die rechtsextreme English Defence League und die British National Party nutzen die Krawalle in britischen Städten zu ihren Zwecken. Doch ihre verbale Gegengewalt ist so gefährlich wie die Plünderungen selbst.
Hamburg - Nick Griffin tut das, was er am besten kann: hetzen. Er spricht vom “Black Blitz”, vom “Schwarzen Blitz”, und bedient sich, wie so oft in der Vergangenheit, der Weltkriegsterminologie. Griffin ist Chef der rechtsextremen British National Party (BNP) und er ist einer der Menschen, die offensiv versuchen, aus den Unruhen in Großbritannien und den Bildern plündernder Jugendlicher Profit zu schlagen.
Die Randale in London, Birmingham, Manchester, Bristol, Westerhamshire werden instrumentalisiert - allen voran versuchen rechtspopulistische Gruppen, das Entsetzen der Briten über und ihre Angst vor den Ausschreitungen zu nutzen. Griffin erntete heftigen Protest für seine Äußerung, seine Ansichten sind zu extrem, um gesellschaftsfähig zu sein. In der Rhetorik geschickter agiert die English Defence League (EDL), weniger offen rassistisch, aber nicht minder gewaltbereit. Die Organisation veranstaltet in englischen Städten Märsche, ihre Anhänger machen Stimmung gegen Muslime und geben sich patriotisch.
Am Dienstag hatte die EDL auf ihrer Internetseite eine Stellungnahme zu den Krawallen veröffentlicht. Darin kritisierte sie die “politische Korrektheit”, die die Polizei daran hindere, “die derzeitigen Probleme rasch und entschieden zu beenden”. “Wie alle anständigen Menschen sind auch die Mitglieder der EDL erschüttert und entsetzt darüber, was in den vergangenen Tagen passiert ist”, heißt es dort. Es sei offensichtlich, dass die Polizei nicht den Befehl erhalten habe, “Schädel einzuschlagen”. Vielleicht liege das daran, dass die Plünderer “nicht weiß” seien.
Doch die EDL versucht mehr, als nur die als zu lasch empfundene Polizeitaktik zu kritisieren. Sie versucht, den Protest gegen die Krawalle für sich zu nutzen: Nachts unterstützt man Bürgerwehren, die Häuser und Geschäfte schützen; tags die freiwilligen Aufräumtrupps. Trotzdem klingt die Ankündigung von Stephen Lennon mehr nach einer Drohung als nach einem Hilfsangebot: “Wir werden die Unruhen stoppen, die Polizei ist dazu offenbar nicht in der Lage”, sagte er am Mittwoch. Lennon ist Chef der EDL. Man werde bis zu 1000 Mitglieder auf die Straße schicken, in Luton, dem Sitz der Gruppe, in Manchester, Bristol, Leicestershire und weiteren Städten sollen sie patrouillieren.
Krawalle in England
Viele Briten kritisieren die Zurückhaltung der Polizei, die traditionell eher defensiv gegen Randalierer vorgeht. Das will sich die EDL nun offenbar zunutze machen - ausgerechnet die Organisation, die im letzten Jahr dafür verantwortlich war, dass die Angst vor neuen Rassenunruhen in England groß war: Bei einem ihrer Märsche in Bradford, einer Stadt mit einer der größten pakistanischen Gemeinden Großbritanniens, kam es zu massiven Krawallen . EDL-Anhänger attackierten Gegendemonstranten mit Flaschen, Steinen und Rauchbomben. Zu einer Ausweitung der Krawalle kam es damals nicht, doch der Vorfall macht deutlich, wie wenig davon zu halten ist, wenn die EDL in ihrer Stellungnahme zu den aktuellen Ausschreitungen schreibt, bei ihren Protesten habe es niemals “bedeutsame Zerstörungen” gegeben.
Für Beobachter ist es eine Farce, dass ausgerechnet die EDL nun zu Aufräumarbeiten aufruft. “Die EDL-Mitglieder hauen jemandem eher mit dem Besen über den Kopf, als dass sie ihn zum Putzen benutzen”, sagt Alana Lentin, die an der Universität Sussex zu den Themen Rassismus und Migration forscht.
“Natürlich versucht die EDL aus den Protesten Kapital zu schlagen”, sagt die Soziologin. Einen Imagegewinn hat die antimuslimische EDL dringend nötig, der norwegische Attentäter Anders Breivik bezeichnete einen ihrer Aktivisten als seinen Mentor.
Auf einfache Erklärungen folgen einfache Lösungen
Lennon sagte dem “Daily Telegraph”, er sei in der Nacht auf Mittwoch mit 100 Unterstützern auf den Straßen von Enfield im Norden Londons unterwegs gewesen. Auch in Entham, im Südosten der Stadt, war die EDL aktiv. “Die Polizei ist nicht fähig, die Straßen unter Kontrolle zu bringen”, sagte Jack England, ein führendes Mitglied der EDL. Rund 50 Anhänger seien in den Stadtteil gekommen, um die Bürgerwehr “zu organisieren und zu führen”. So solle sichergestellt werden, “dass sie nicht gegen das Gesetz verstoßen”.
Fragt man die Soziologin Lentin, warum die Jugendlichen die Läden plündern, antwortet sie: “Je mehr du besitzt, desto mehr wirst du respektiert. Respekt erlangt man auch, wenn man den größten Flachbildfernseher besitzt. Die Krawalle werden derzeit nicht im Kontext der gesellschaftlichen Entwicklungen gesehen.” Sie meint die Finanzkrise, die Verschuldung, die Arbeitslosigkeit, die Klassenunterschiede, die kaum zu überwinden sind. “Die meisten der Jugendlichen haben überhaupt keine Chance, aufzusteigen.”
Die Randalierer haben keine politische Agenda - auch wenn die Proteste Ausdruck politischer Fehlentwicklungen sind. Aber genau das macht sie zur Projektionsfläche: Die Konservativen sprechen von “amoralischen, ungebildeten, von Sozialhilfe abhängigen, gewalttätigen” Rowdies (“Daily Mail”). Die Rechtsradikale BNP spricht von “schwarzen Gangs”, die Menschen und Geschäfte überfielen.
“Die Hintergründe sind komplex”, sagt Lentin. “Aber die Unruhen werden zunehmend in einen ethnischen Kontext gesetzt.” Das sei nicht verwunderlich, immerhin habe der Tod Mark Duggans die Krawalle ausgelöst - der 29-jährige Schwarze war durch eine Polizeikugel getötet worden, als die Beamten ihn festnehmen wollten. “Auch die Eliten haben ein Interesse daran, so zu tun, als ginge es bei den Unruhen um Fragen der Rasse.” Denn dann seien die Antworten leichter zu finden.
An ihre Anhänger gerichtet, veröffentlichte die EDL einen Aufruf: Es ginge bei den Krawallen nicht um den Islam, “aber wir glauben fest daran, dass England es wert ist, verteidigt zu werden”.
Die Vereinigung gilt als Zusammenschluss gewaltbereiter Hooligans. Ausgerechnet frühere Schläger versuchen nun, sich als Ordnungshüter zu inszenieren, als Beschützer der Nation. EDL-Chef Lennon ist vorbestraft wegen Körperverletzung, Drogenbesitz und Ordnungswidrigkeiten. Vor rund zwei Wochen wurde er zu 150 Stunden gemeinnütziger Arbeit verurteilt, er hatte im August 2010 eine Gruppe gewaltbereiter Fans des Fußballclubs Luton Town angeführt, als die sich mit Anhängern eines anderen Clubs eine Schlägerei lieferten. “EDL bis zum Tod” soll er noch nach seiner Festnahme im Polizeiauto gerufen haben.
“Wir müssen absolut sachlich bleiben, das ist extrem wichtig, unter anderem wegen des öffentlichen Ansehens”, schreibt ein Mann auf der Facebook-Seite der EDL - um gleich den Beweis anzutreten, was eigentlich Sache der EDL-Anhänger ist: “Macht euch groß, seid laut”, schreibt er weiter, “wenn ihr die schäbigen randalierenden Mistkerle seht: Zerstört die Bastarde!”
